Bühnenduo. Einfach so. | #Systemrelevant

#Systemrelevant

17. Juli 2020

Ein paar Worte an die Künstler*innens unter uns und alle die irgendwie damit zu tun, also an jeden!

Wir fordern:
Disziplin. Disziplin. Disziplin.
Wer nach oben kommen will, der muss ranklotzen, malochen.
Schaffe, schaffe, Häusle baue.
„The hardest working man im Show Biz“ hieß es früher bei James Brown.
Von nix kommt ebbe nix.

Also Stift in die Hand und Papier fressen und Buchstabensuppe natürlich und gefälligst inspirieren lassen.
Kunst ist harte Arbeit. DAS MACHT KEINEN SPAß!
Von Morgens um sechs bis abends um 11 heißt es warten.
Warten bis die Muse einen küsst und vielleicht ein paar Reime schickt und der Text durch mich hindurch auf das Papier fließt, sich darauf ergießt und Leben verändernde Wirkung ausübt. Das muss jawohl der Anspruch sein an die Kunst.

Und auch für die Zeit des Wartens sollten wir Künstler*innens bezahlt werden.
Wenn ich mich stundenlang von einem Katzenvideo zum nächsten klicke, dient das der Kunst.
Wenn ich einen Wellnesstag einlege und mich in der Sauna wälze, dient das der Kunst.
Wenn ich 6 Monate den Jakobsweg laufe und mich von einer Herberge zur nächsten schleppe, dient das der Kunst.
Wenn ich Pornos schaue, dient das der Kunst.

Wir Künstler*innens sollten für alles bezahlt werden.
Oder ein Grundeinkommen für die Künstler*innens.
Damit der Druck vom Kessel genommen wird.
Kunst ist harte Arbeit, auch wenn das nicht immer so aussieht.
Egal was wir Künstler*innens tun, es dient der Kunst.
Und am Ende dürfen wir vielleicht einmal die Hand vom Herr Bundespräsident oder Frau Verteidigungsministerin schütteln.
Aber das wir auch von etwas leben müssen, ist denen ja egal.

Und so schlagen wir uns durch.
Anstatt mit Stolz geschwellter Brust von unserem Künstler*innensleben zu erzählen, werden wir zu Überlebenskünstler*innens.
Kaufen uns Klamotten aus Pflanzenfasern, welche ökologisch abbaubar sind um diese in engen Zeiten in der Suppe zu verarbeiten.
Ja, wir geben unser letztes Hemd für die Kunst.

Schließlich sind wir Idealist*innens und uns reicht ein bisschen Luft und Liebe zum Leben.
Ist doch klar!

Wir Künstler*innens sind da sehr unkompliziert und warmes Wasser haben die wenigsten von uns jemals erlebt.
Gerade in diesen Zeiten erlebt die Künstler**innensbranche einen harten Schnitt und die Soforthilfe dürfen wir nur für Betriebsausgaben verwenden. Kein Problem. Ich esse Druckerpapier, trinke Tinte und lebe im Backstageraum des geschlossenen Theater mit Motten und Spinnen und hülle mich in den Schätzen des Fundus damit ich nicht komplett nackt in die geschlossene Einwandere.
Wir sollen die Kunst eben als Hobby ausführen. Ja, aber … wir Künstler*innens können doch nichts anderes.
Wir sind Künstler*innens und wir sind Systemrelevant!
Punkt!